Operationen

Seit 1995 werden am Kantonsspital Operationen zur Behandlung von ausgeprägtem Übergewicht durchgeführt. Nachdem anfänglich ausschliesslich Magenbänder implantiert wurden, hat sich der Bereich der bariatrischen Chirurgie unter der Leitung von Dr. Martin Thurnheer in den letzten Jahren deutlich weiterentwickelt. So werden heute etwa 200 Operationen pro Jahr durchgeführt, dies in den aller meisten Fällen in laparoskopischer Technik (Schüssellochchirurgie).
Methoden
Es werden alle gängigen Methoden in unserem Zentrum angeboten:

- Magenband
Bei einer Magenbandimplantation handelt es sich um ein rein »restriktives Verfahren. Hierbei wird um den oberen Teil des Magens eine Art Kunststoffring gelegt, welcher sich über ein Schlauchsystem einstellen (enger – weiter) lässt. Hierdurch wird die Passage der Nahrung verzögert und die Essensportionen verkleinert.
Leider hat sich in den letzten Jahren herausgestellt, dass langfristig nur sehr wenige Patienten mit einem Magenband erfolgreich sind (ca. 20% unseres Patientenkollektivs). Ein Wiederanstieg des Gewichts oder eine Erweiterung der Speiseröhre werden leider sehr häufig beobachtet. Auch Erbrechen tritt relativ oft auf und faserhaltige Nahrungsmittel wie Obst oder Fleisch werden schlecht toleriert.
Als Ausweg bleibt dann meist nur eine Umwandlungs-Operation mit Entfernung des Bandes und gleichzeitiger Anlage beispielsweise eines »Magenbypass. Danach geht es den meisten Patienten deutlich besser.
Vor dem Hintergrund unserer 14-jährigen Erfahrung mit dem Magenband führen wir diesen Eingriff nur noch sehr selten und nach strenger Indikationsstellung durch. Für geeignet halten wie eine Magenbandimplantation jedoch möglicherweise für Personen, die nur etwa 10-20 kg abnehmen müssen bzw. wollen.
In Jahr 2005 haben wir etwa 10 Magenschrittmacher implantiert. Leider waren die Ergebnisse insgesamt enttäuschend und die Schrittmachersysteme scheinen aktuell noch nicht ausgereift zu sein. Daher führen wir diese Eingriffe zur Zeit in unserem Zentrum nicht mehr durch. Insgesamt halten wir das Prinzip einer elektrischen Stimulation allerdings für vielversprechend und hoffen auf zukünftige Weiterwicklungen in diesem Gebiet.

- Schlauchmagen
Bei der Schlauchmagenbildung (gastric sleeve resection) wird ein grosser Teil des Magens abgetrennt und aus der Bauchhöhle entfernt. Hierdurch werden die Essensportionsgrössen eingeschränkt.
Neben dieser mechanischen »Restriktion werden auch die Blutspiegel des Hungerhormones Ghrelin, welches im Magen gebildet wird, vermindert. Hierdurch werden möglicherweise auch Hungergefühle reduziert.
Es ist jedoch festzuhalten, dass bislang leider noch keine Langzeiterfahrungen mit diesem Verfahren vorliegen. Somit kann auch noch nichts über die langfristige Effektivität des Verfahrens ausgesagt werden. Daher führen wir diesen Eingriff, wie international empfohlen, bislang nur bei speziellen Indikationen durch.
International etabliert ist jedoch die Schlauchmagenbildung im Rahmen eines sogenannten "Zwei-Schritt-Verfahrens" (two-stage-procedure). Diese wird bei Hochrisikopatienten wie beispielsweise bei solchen mit viel Fettgewebe in der Bauchhöhle eingesetzt.
Ziel ist, dass durch die Schauchmagenbildung als erster Schritt etwa 30-40 kg abgenommen werden und in einem zweiten Schritt dann beispielsweise eine »biliopankreatische Diversion oder ein distaler »Magenbypass angelegt wird. Dieses Pozedere schlagen wir in Einzelfällen auch unseren Patienten vor.

- Proximaler Magenbypass
Der proximale Magenbypass, welcher auch als "oberer" Magenbypass bezeichnet wird, ist aktuell weltweit das am häufigsten eingesetzte Verfahren. Dabei wird ein grosser Teil des Magens und der Zwölffingerdarm (Duodenum) umgangen, d.h. die Nahrung wird daran vorbei geleitet. Hierdurch wird die Essensportionsgrösse eingeschränkt (»Restriktion).
Zudem kommt es zu einer deutlich veränderten Ausschüttung von Hunger- (Ghrelin) und Sättigungs- (GLP-1, PYY) Hormonen aus dem Magen-Darm-Trakt, was zu einer Reduktion von Hungergefühlen führt. Diese hormonellen Veränderungen werden auch dafür verantwortlich gemacht, dass ein vorbestehender Diabetes häufig nach einem Magenbypass verschwindet bzw. nicht mehr behandlungsbedürftig ist. In diesem Zusammenhang spricht man auch von der metabolischen Chirurgie (metabolic surgery) oder Diabetes-Chirurgie.
Ein Nachteil aller Magenbypassverfahren ist, dass einige Vitamine und Spurenelemente nicht mehr so gut aus der Nahrung aufgenommen werden. Daher müssen einige dieser Mikronährstoffe in erhöhter Dosis z.B. als Tabletten oder Injektion dauerhaft zugeführt werden.
Der distale bzw. "unterer" »Magenbypass übt die gleichen Effekte auf die Nahrungsaufnahme wie der proximale Magenbypass (Restriktion + Hormonveränderungen) aus.
Zusätzlich wird jedoch eine gewisse Verdauungsstörung insbesondere für Nahrungsfette herbeigeführt. In Hinblick auf die langfristige Gewichtsreduktion ist das Verfahren sicherer als der proximale Magenbypass. Es können jedoch insbesondere bei einer zu fettreichen Ernährung starke Durchfälle und Blähungen auftreten.
Zudem ist das Risiko eines Eiweissmangels bei unzureichender Eiweisszufuhr etwas erhöht. Hinsichtlich der Vitamine und Spurenelemente gilt dasselbe wie beim proximalen Magenbypass.

- Biliopankreatische Diversion (links), Biliopankreatische Diversion mit Duodenal Switch (rechts)
Bei der »biliopankreatischen Diversion (BPD) wird eine ausgeprägte Verdauungsstörung herbeigeführt. Wird nicht gleichzeitig eine Restriktion angelegt, z.B. durch eine Schlauchmagenbildung, resultieren häufig stark stinkende Durchfälle.
Die häufigsten Verfahren dieser Art sind die BPD nach Scopinaro und der so genannte duodenal switch (DS). Auch hier besteht das Risiko eines Eiweissmangels bei unzureichender Eiweisszufuhr. Hinsichtlich der Vitamine und Spurenelemente gilt im Wesentlichen dasselbe wie bei den Magenbypassverfahren.
In unserem Zentrum werden die genannten Verfahren bislang nur angewandt, wenn zuvor eines der Magenbypassverfahren nicht erfolgreich war und daher als letzter Ausweg eine erneute Operation erfolgen muss.






