Operationen

Bevor sie sich über die Möglichkeiten einer operativen Behandlung ihres Übergewichts genauer informieren, ist es uns vor dem Hintergrund unserer langjährigen Erfahrung auf dem Gebiet ein Anliegen, Ihnen einige generelle Empfehlungen zu geben.
Bariatrische Operationen sind aktuell die effektivsten Methoden zur Reduktion des Körpergewichts. Häufig wird jedoch selbst von Fachleuten suggeriert, dass man nach einer Operation immer und sicher schlank werden würde. Dies ist nicht der Fall.
Zwar wird das Körpergewicht fast immer deutlich reduziert, aber es wird nur selten ein Normalgewicht erreicht. Von "schlank werden" kann somit in der Regel nicht die Rede sein.
Je nach Operationsverfahren kann man mit einem durchschnittlichen Übergewichtsverlust von etwa 40 – 70% rechnen. Es sind eben nur ganz selten 100%. Konkret bedeutet dies, dass jemand mit 40 kg Übergewicht je nach Operationsverfahren langfristig etwa 15-30 kg verliert und jemand mit 80 kg Übergewicht etwa 30–60 kg. Häufig kommt es auch nach einem ausgeprägten Gewichtsverlust innerhalb der ersten 1 bis 2 Jahren nach der Operation zu einem leichtgradigen Wideranstieg des Körpergewichts. Entscheidend für den langfristigen Erfolg einer Operation sind weiterhin insbesondere Ihr Essverhalten sowie das Ausmass Ihrer körperlichen Aktivität.
Ein weiteres Problem in Bezug auf die Erwartungshaltung von Menschen, die sich einer bariatrischen Operation unterziehen möchten, ist folgendes: Es wird oft angenommen, dass sich durch den erwarteten Gewichtsverlust auch viele anderen Probleme, vor allem im psychosozialen Bereich, von alleine lösen. Auch dies ist nicht der Fall. Vieles wird nach einer Operation in der Tat meist besser. Trotzdem können selbstverständlich auch weiterhin Probleme beispielsweise am Arbeitsplatz oder im Bereich von Beziehungen bestehen oder gar neu auftreten.
Eine realistische Erwartungshaltung kann sie vor Enttäuschungen bewahren.
Viele Menschen, die überlegen, ob sich einer Operation zur Behandlung ihres Übergewichts unterziehen sollten, stossen häufig auf grosse Widerstände in ihrer Umwelt. Verwandte, Bekannte, Freunde – jeder weiss etwas dazu zu sagen und nicht selten werden auch bildhafte Horrorszenarien aufgemalt. Selbst Ärzte reagieren manchmal seltsam emotional und ablegend auf die Frage nach einer Operation. Fragen Sie sich und Ihr Gegenüber, auf welcher Erfahrungsgrundlage entsprechende Aussagen und Einstellungen basieren.
Lassen Sie uns klarstellen: Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass bariatrischen Operationen den Gesundheitszustand erheblich verbessern und die Lebensqualität steigern können. Gute Beispiele hierfür sind Diabetes oder das Schlafapnoesyndrom – Erkrankung, die nach einer Operation fast immer verschwinden bzw. keiner Behandlung mehr bedürfen. Auch die Wahrscheinlichkeit an Krebs zu erkranken oder an einem Herzinfarkt zu sterben wird durch eine Operation erheblich reduziert.
Fakt ist: Bariatrische Chirurgie rettet Leben! Genau aus diesem Grund werden Optionen zur Behandlung von ausgeprägtem Übergewicht international von allen anerkannten medizinischen Fachgesellschaften in »Leitlinien empfohlen. Operationen stellen also keinesfalls mehr Aussenseitermethoden dar, sondern sind weltweit wissenschaftlich anerkannte Therapien.
Jede Operation ist mit einem Risiko verbunden. Das Risiko schwerer Komplikationen bei bariatrischen Operationen ist jedoch in spezialisierten Behandlungszentren vergleichbar mit dem anderer, alltäglicher Operationen.
Konkret beträgt das Risiko innerhalb von 30 Tagen nach einer bariatrischen Operation zu versterben etwa 0.3%. Es ist somit geringer als beispielsweise das Risiko einer Hüftgelenksimplantation. Natürlich ist das Risiko von individuellen Faktoren wie insbesondere dem Vorliegen von Begleiterkranken abhängig. Daher gilt es vor einer Operation immer gezielt den Gesundheitszustand zu optimieren. Vor diesem Hintergrund ist einleuchtend, dass die Risiken und auch das langfristige Behandlungsergebnis stark von der Erfahrung des Operateurs sowie des Behandlungszentrums abhängig sind.
Wir empfehlen Ihnen daher, sorgfaltig das für Sie geeignete Behandlungszentrum auszusuchen und sich ruhig bei mehreren Institutionen einmal vorzustellen, um sich einen Überblick über qualitative Unterschiede zu verschaffen.
Manche Ärzte informieren leider recht unkritisch und undifferenziert über den potentiellen Nutzen und auch Gefahren einer bariatrischen Operation. Werden Sie hellhörig, wenn alles "kein Problem" ist oder Wörter wie "schlank" mehrfach fallen. Dies offenbart, dass Ihr Gegenüber offensichtlich noch über relativ wenig Erfahrung auf dem Gebiet verfügt.
Trauen Sie sich – stellen Sie Fragen!
- Wie sieht das Nachsorgekonzept des Behandlungszentrums aus?
- Wie häufig treten Komplikationen auf?
Dies nicht abstrakt und allgemein, sondern konkret in der Behandlungseinrichtung. Ein guter bariatrischer Chirurg kennt seine Ergebnisse.
- Wie sehen die eigenen Langzeitergebnisse aus?
- Wie viele bariatrische Operationen werden pro Jahr am Behandlungszentrum durchgeführt?
International gilt, dass für den Status eines Kompentenzzentrums mindestens 50 besser mehr als 100 bariatrische Operationen pro Jahr durchgeführt werden sollten. Auch wird gefordert, dass ein Kompetenzzentrum nicht nur ein Verfahren wie beispielsweise das Magenband anbietet, sondern immer mehrere Operationsverfahren (Magenbypass, Schlauchmagen, biliopankreatische Diversion) in laparoskopischer Technik (Schlüssellochtechnik) durchführen können sollte.
Sie haben ein Recht darauf, die entsprechenden Informationen zu erhalten. Es geht schliesslich um Ihren Körper!
Unserer Erfahrung nach sind viele stark adipöse Menschen über ihre Situation derart verzweifelt, dass sie alles, was ihnen Hoffnung bietet, zum Teil sehr unkritisch aufgreifen und vieles, was Hilfe ihnen verspricht, mit sich machen lassen würden.
Dies sollte natürlich nicht so sein. Eine bariatrische Operation hat weit reichende Konsequenzen für ihr Leben.
- Sie müssen ihre Ernährung anpassen
- und unter Umständen lebenslang Vitaminpräparate und Mineralstoffe einnehmen.
- Auch sind lebenslange medizinische Nachkontrollen notwendig.
Sind sie hierzu bereit?
- Reflektieren Sie beispielsweise Ihr Essverhalten. Essen Sie vermehrt bei Stress, Langeweile oder Frust?
- Wie wird Ihr Umfeld und auch Sie selbst auf die rapiden und ausgeprägten äusserlichen Veränderungen reagieren?
- Sind Ihre Erwartungen an die Operation realistisch?
- Wie werden Sie möglicherweise mit überschüssiger, lappriger Haut umgehen,
- insbesondere wenn Ihre Krankenkasse die Kostenübernahme für operative Korrekturmassnahmen verweigert?
All dies sind keine Hinderungsgründe für eine Operation, es sollte jedoch bei der Entscheidung für eine Operation bedacht werden.
Selbstverständlich werden Sie nicht all diese Fragen vor einer Operation für sich klären können. Trotzdem lohnt es sich, sich hierüber Gedanken zu machen und gegebenenfalls Hilfe zu beanspruchen. Ein Adipositasbehandlungszentrum sollte Ihnen entsprechende Hilfsangebote unterbreiten können.
Manche Menschen, die sich mit dem Wunsch nach einer bariatrischen Operation in einem Behandlungszentrum vorstellen, haben Angst davor, etwas "falsches" zu sagen – etwas, was möglicherweise zu einer Verweigerung der gewünschten Operation führen könnte.
Zudem bestehen häufig ausgeprägte Schamgefühle, beispielsweise über problematisches Essverhalten oder auch psychische Probleme zu sprechen.
Haben Sie keine Angst, psychische Probleme oder Essanfälle stellen keine prinzipielle Kontraindikation gegen eine Operation dar. Informationen hierüber sind für das Behandlungsteam jedoch extrem wichtig, damit es Ihnen die bestmögliche Hilfe anbieten kann. Insbesondere Ihr Essverhalten ist für die Auswahl des für Sie am besten geeigneten Operationsverfahrens von enormer Bedeutung. Bedenken Sie, dass Sie nichts davon haben, wenn Sie aufgrund fehlender oder gar falscher Informationen eine für Sie nicht optimale Operation erhalten und dann in einigen Jahren wieder massiv an Gewicht zunehmen oder sonstige gesundheitliche Probleme entwickeln.
Bei der Auswahl eines geeigneten Behandlungszentrums sollten Sie darauf achten, dass die oben erwähnten Themen zumindest angesprochen werden, bevor die Entscheidung für eine spezifische Operation getroffen wird.


