Medikamente
Unterstützend zu den genannten Massnahmen in den Bereichen Ernährung, Bewegung und Verhalten können zeitweilig zusätzlich auch Medikamente durch einen, auf diesem Gebiet erfahrenen Arzt eingesetzt werden. In der Schweiz sind hierzu derzeit 2 Medikamente (Reductil® und Xenical®) zugelassen, welche ab einem BMI von 35 kg/m² auch von den Krankenkassen für mindestens 6 Monate bezahlt werden. Bei Vorliegen eines Diabetes werden die Medikamente bereits ab einem BMI von 27 kg/m² bezahlt. Beide Medikamente sollten jedoch niemals isoliert verordnet bzw. eingenommen werden, sondern immer im Kontext einer gezielten Ernährungsumstellung am besten mit einer professionellen Begleitung.
Die Wirkweise der beiden genannten Medikamente ist völlig unterschiedlich. Daher sollten die Medikamente auch sehr differenziert eingesetzt werden.
Reductil® (Wirkstoffname: Sibutramin) wirkt primär im Gehirn und verstärkt das Sättigungsgefühl bzw. hemmt den Appetit. Zusätzlich erhöht es leichtgradig den Grundumsatz und damit den Energieverbrauch des Körpers. Als Hauptnebenwirkungen können Mundtrockenheit, Nervosität, Schlafstörungen sowie eine geringe Erhöhung des Blutdrucks und Beschleunigung des Pulses auftreten. Xenical® (Wirkstoffname: Orlistat) wirkt ausschliesslich im Darmtrakt und hemmt dort die Aufnahme der Nahrungsfette um 30%. Die Hauptnebenwirkung ist daher Durchfall (Fettstühle), besonders nach der Einnahme zu fettreichen Mahlzeiten.
Studien haben gezeigt, dass Reductil® im Vergleich zu einer alleinigen Ernährungsumstellung/-beratung im Mittel einen zusätzlichen Gewichtsverlust von etwa 4 – 6 kg bewirkt. Die zusätzliche Gabe von Xenical® erbrachte einen zusätzlichen Gewichtsverlust von etwa 3 – 5 kg. Es muss betont werden, dass das Ansprechen auf die beiden Medikamente inter-individuell sehr unterschiedlich ist, so dass einige Patienten deutlich mehr, andere aber auch gar nicht unter der jeweiligen Medikation abnehmen.
Bei Essanfällen im Sinne einer Binge-Eating Störung können auch Antidepressiva wie beispielsweise Fluoxetin hilfreich sein. Es sollte jedoch neben einer medikamentösen Therapie immer auch eine gezielte psychologische Verhaltenstherapie durchgeführt werden. Insgesamt ist zu sagen, dass das Binge-Eating eine Essstörung ist, die sich recht gut behandelt lässt und die eine gute Prognose hat. Meist treten nach einiger Zeit nur noch selten oder gar keine Essanfälle mehr auf. Leider führt dies allein jedoch nicht immer zu einem starken Gewichtsverlust. Es ist jedoch wichtig, dass bei adipösen Menschen mit Essanfällen zunächst erst die Essstörung behandelt werden sollte und erst in einem zweiten Schritt eine Gewichtsreduktion anzustreben ist. Beides gleichzeitig zu erreichen ist häufig nicht möglich.
Neben den erwähnten Präparaten können zur Zeit keine weiteren Medikamente empfohlen werden. Die sich sonst noch auf dem Markt befindenden Medikamente/Präparate sind entweder zu nebenwirkungsreich oder ihre Wirksamkeit ist nicht ausreichend erwiesen. Auf jeden Fall sollte man, bevor man viel Geld für die verschiedenen, oft aggressiv beworbenen Präparate ausgibt, zunächst mit einem Arzt mit Erfahrung auf dem Gebiet der Übergewichtsbehandlung sprechen. Dieses kann helfen, Geld zu sparen und Nebenwirkungen zu vermeiden.
Es sollte noch erwähnt werden, dass eine ganze Reihe von Medikamenten, die beispielsweise zur Behandlung von Diabetes oder psychischen Erkrankungen eingesetzt werden, eine Gewichtszunahme fördern können. Hier lohnt es sich, über eine Umstellung der Medikation nachzudenken. Auf keinen Fall sollten jedoch Medikamente selbständig und ohne Rücksprache mit dem behandelnden Arzt abgesetzt werden.


